Der ewige afrikanische Traum

Afrikanische Nationalmannschaften werden immer wieder von sogenannten «goldenen Generationen» geprägt. Der Kontinent bringt immer wieder hervorragende Einzelspieler raus, als Team funktionieren die Nationalmannschaften aber nur selten. Dies ist aber nur ein Grund weshalb Afrika immer noch vom ersten Finalteilnehmer träumt.

von
Kevin
Weber
Uhr
Russia Soccer WCup Nigeria Argentina

Grosse Trauer bei den nigerianischen Spielern nach dem Gruppenaus bei der WM in Russland. (Foto: Ricardo Mazalan, Keystone)

«Bald wird der Weltmeister aus Afrika kommen», sagte die brasilianische Fussballlegende Pele vor knapp 30 Jahren. Die Aussage kam kurz nach der Weltmeisterschaft 1990. Dort wurde die kamerunische Nationalmannschaft trotz ruppiger Spielweise zum Publikumsliebling (siehe Video). 

Claudio Caniggia wird im Eröffnungsspiel der WM 1990 von Benjamin Massing «abgeräumt». (Quelle: Youtube)

 

Ein 38-jähriger Routinier

Getragen wurde das Team damals von Roger Milla. Der 38-Jährige hatte sich eigentlich bereits auf La Réunion zur Ruhe gesetzt, wurde vor dem Turnier jedoch kurzerhand wieder reaktiviert und schoss die «unzähmbaren Löwen» mit vier Toren bis ins Viertelfinale. Dort unterlagen die Afrikaner dann nach Verlängerung England. Bis heute unvergessen bleibt der Torjubel von Milla: Nachdem er getroffen hatte, rannte er jeweils zur Ecke und machte ein hüftwackelndes Tänzchen um die Fahne. 

Roger Millas berühmter Torjubel. (Quelle: Youtube)

 

Nigerias Olympiagold

Vier Jahre später ruhten die Hoffnungen des afrikanischen Kontinents auf dem nigerianischen Nationalteam. Der Neuling überraschte bei der ersten WM-Teilnahme mit einer technisch starken Offensivabteilung. Mit jungen Hoffnungsträgern wie Jay-Jay Okocha, Finidi George oder Daniel Amokachi konnten die «Super-Eagles» die Gruppenphase als Erster abschliessen und machten sich Hoffnungen auf den grossen Sprung. Das Team zeigte jedoch vor allem taktische Schwächen, weshalb die Nigerianer dann bereits im Achtelfinale gegen Italien die Segel streichen mussten. Bis heute gilt die WM 1994 in Afrika als «unvollendetes nigerianisches Meisterwerk».

Dass das nigerianische Team durchaus Potenzial für den grossen Wurf hatte, bewiesen sie zwei Jahre später, als sie in Atlanta Olympiagold gewannen. Auch bei der WM 1998 in Frankreich zeigten die «Super-Eagles» einen ähnlichen Auftritt. Auf eine starke Gruppenphase folgte im Achtelfinale eine 1:4 Schlappe gegen Dänemark.

 

Senegal als Publikumliebling

An der Weltmeisterschaft 2002 in Asien spielte sich mit dem Senegal ein neues Team in den Fokus. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme schlugen die «Löwen von Teranga» im Eröffnungsspiel den amtierenden Weltmeister Frankreich und gewannen dabei schnell die Herzen des Publikums. Gross war die Euphorie, als der Senegal im Achtelfinale dank eines «Golden Goals» von Henri Camara Schweden besiegte. Im Viertelfinale unterlagen die Afrikaner aber der Türkei - ebenfalls durch ein Golden Goal  - in der Verlängerung. 

Ähnliche Leistungen hätte man in den letzten zwölf Jahren auch der Elfenbeinküste zugetraut. Doch trotz der «goldenen Generation» um Spieler wie Didier Drogba, Gervinho oder den beiden Touré-Brüdern, scheiterten die Ivorer bei drei WM-Teilnahmen stets in der Gruppenphase.

Das Siegestor von Senegal im Eröffnungsspiel der WM 2002. (Quelle: Youtube)

 

Ghana ganz nah dran

Einem Halbfinale am nächsten kam bisher die ghanaische Mannschaft. Bei der ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden in Südafrika vor acht Jahren konnten die «Black Eagles» als einziges Team aus Afrika die Gruppenphase überstehen.  Nachdem das Team um damalige Grössen wie Michael Essien, Kevin-Prince Boateng und Asamoah Gyan im Achtelfinale die USA ausgeschaltet hatte, traf es im Viertelfinale auf Uruguay. Nach 120 Minuten hätten die Ghanaer den vermeintlichen Siegestreffer erzielen und als erste afrikanische Mannschaft ins Halbfinale einziehen können. Doch Uru-Stürmer Suarez wehrte den Ball auf der Linie mit der Hand ab. Den anschliessenden Strafstoss donnerte Gyan an die Latte und im darauffolgenden Elfmeterschiessen zeigten die ghanaischen Schützen zu viele Nerven. Ghana trauerte und Afrika wartet bis heute weiterhin auf seinen ersten Halbfinalisten. 

Das ghanaische Drama im Viertelfinale der WM 2010. (Quelle: Youtube)

 

Keine Besserung in Russland in Sicht

Der bisherige Verlauf der WM in Russland bietet wenig Hoffnung auf Besserung. Auch wenn einige afrikanische Teams mittlerweile spielerisch gut mithalten können, fehlt den meisten noch die Konstanz sowie eine durchgehend starke Besetzung auf den Schlüsselpositionen. Während Ägypten und Tunesien enttäuschten, konnte Marokko spielerisch durchaus überzeugen, bewies jedoch eklatante Abschlussschwächen. Nigeria fing sich nach der Auftaktniederlage, zeigte im Endspiel gegen Argentinien dann aber Nerven. 

Offen bleibt, ob mit dem Senegal doch noch ein afrikanischer Teilnehmer die KO-Runde erreicht. Während er gegen Polen eine starke Partie zeigte, musste er im Spiel gegen Japan den späten Ausgleich hinnehmen. Gegen die agilen und quirligen Kolumbianer stehen die Senegalesen nun im Abschlussspiel unter Druck. Bei einer Niederlage finden die Achtelfinals ohne afrikanische Beteiligung statt und der ewige Traum vom WM-Finale geht weiter.

Autor: Kevin
Weber