Warum Messi nicht zu den Grössten gehört

Im Konzert der ganz Grossen spielt Lionel Messi noch nicht mit – und das hat nichts mit seinem missglückten Auftritt im Spiel gegen Island zu tun.

von
Benjamin
Rothschild
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Kein seltenes Bild an einer WM: Ein hadernder Lionel Messi. (Foto: zvg)

Die WM ist die Zeit, wo sich gewiefte, sachkundige Fussball-Füchse tagtäglich das Geplapper irgendwelcher Trittbrettfahrer anhören müssen, die bei Public-Viewings ostentativ ihre vier Wochen anhaltende Fussball-Begeisterung zur Schau stellen: «So gut diese Isländer, die fallen bei Körperkontakt nicht einfach hin!»; «Hey nei, dieser Christiano Ronaldo, so arrogant imfall»; Und damit häufig verbunden: « Messi – der Grösste aller Zeiten!».

Die letzte Aussage – und jetzt wird es interessant – würden wohl auch viele echte Experten unterschreiben, die die Spiele bevorzugt im abgedunkelten Zimmer verfolgen und deren Augenmerk eher dem Laufverhalten des Box-to-Box-Sechsers gilt denn Neymars-Frisur. Dabei ist von obigen Plattitüden keine so falsch wie die «Messi-ist-der-Grösste»-Laudatio.

Klar, es ist zurzeit einfach auf Messi rumzuhacken: Sein missglückter Auftritt gegen Island inklusive verschossenem Elfmeter, die Tatsache dass er in den letzten Jahren und in der ersten WM-Runde im Schatten seines Antipoden Cristiano Ronaldo stand – der zickenhafte Argentinier hat sicher schon glücklichere Tage erlebt.

 

Doch die Aussage, wonach Messi nicht der Grösste aller Zeiten ist, würde hier auch in den Raum gestellt, wenn er die Isländer mit drei Toren im Alleingang abgeschossen und zuletzt dreimal die Champions League gewonnen hätte. Denn obschon bereits zum vierten Mal an einer WM dabei, hat Messi dem grössten Turnier der Welt noch nie entscheidend seinen Stempel aufgedrückt. Dies wäre aber Grundvoraussetzung dafür, um mit dem Attribut «Grösster aller Zeiten» versehen, beziehungsweise um überhaupt in den erlauchten Kreis der Grössten aufgenommen zu werden.

Tor gegen Iran, Assist gegen die Schweiz – und sonst?

Pele 1958, Maradona 1986, Zidane 1998, Ronaldo (der echte) 2002 – es gibt Weltmeisterschaften die untrennbar und für alle Zeiten mit dem Namen eines Superstars verbunden sind. Und Messi? Er hat an der WM 2014 das Startspiel gegen Iran mit einem sehenswerten Weitschuss entschieden und im Achtelfinale den entscheidenden Pass zu Angel Di Maria gespielt, der die Schweiz schliesslich ins Elend schoss. Viel mehr war da nicht.

Doch mehr müsste kommen, vor allem wenn man für ein Land wie Argentinien spielt, das bei Weltmeisterschaften stets zum Favoritenkreis gehört. Würde Messi für Saudi Arabien, Panama oder die Schweiz auflaufen – man könnte von ihm kaum eine prägende Rolle in den Reihen einer Weltmeister-Mannschaft fordern. Als Träger des Albiceleste-Trikots aber würde einem titellosen Messi trotz aller Brillanz vom strengen Türsteher des Fussball-Olymps kein Einlass gewährt.

Autor: Benjamin
Rothschild