Auf ins ewige Eis

Janine Wetter reist im Rahmen des Swiss Arctic Project in die Arktis. Dort will sie die Folgen des Klimawandels erforschen. Für Züriost berichtet die Fehraltorferinin laufend vom Nordpol.

von
Marco
Huber
Uhr

Zürich - Longyearbyen (78°13'N / 15°49'E) - Ymerbukta (78°15'N / 14°00'E)

Als ich heute Morgen von meinem Bett aus durch das Bullauge geschaut habe, sah ich vor mir das weite Meer und konnte am Horizont den mächtigen 'Esmarkbreen' Gletscher erkennen. Ich konnte es selbst kaum glauben, dass dieser atemberaubende Ausblick wirklich real ist. Noch vor etwas mehr als einem Tag bin ich zu Hause im Zürcher Oberland in meinem Bett aufgewacht und habe die letzten Reisevorbereitungen getroffen - und heute bin ich umgeben von diesem spektakulären Panorama in der Arktis. Ist das nicht verrückt?

Als Teilnehmerin am 'Swiss Arctic Project 2018' darf ich während den kommenden drei Wochen gemeinsam mit vier anderen Schülern und Studenten hier aus Spitzbergen über den Klimawandel und dessen Folgen berichten, denn die Arktis ist eines der Gebiete, die am stärksten davon betroffen ist. 

Ich habe mich bereits vor dem Expeditionsstart riesig darauf gefreut, dass ich diese Aufgabe übernehmen darf. Obwohl unser Flug früh morgens ab Zürich startete, haben uns viele Freunde und Verwandten am Flughafen verabschiedet. Besonders berührt hat es mich, dass sogar Leute gekommen sind, die ich zuvor noch nie persönlich gesehen habe, die mich aber aus Freude am Projekt schon beim Onlinevoting unterstützt haben.

Nach dem sechsstündigen Flug und einem Zwischenstopp in Oslo sind wir um 00:40 auf dem kleinen Flughafen in Longyearbyen gelandet. In der Schweiz war es um diese Uhrzeit schon längst dunkel, doch hier oben im Norden geht die Sonne im Sommer nie unter. Charles Michel, der Kapitän der MV San Gottardo und Initiant des Projektes, sowie Doris und Sabine Codiga, die für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden an Bord verantwortlich sind, haben uns samt unseren sieben Koffer am Flughafen abgeholt und zum Schiff gebracht.

Die MV San Gottardo ist viel grösser, als ich es erwartet hatte und ich finde, dass besonders das Steuerhaus einen speziellen Charme hat, denn von hier oben kann man den ganzen Ozean und die Landschaft entdecken. Dies durfte ich schon am nächsten Tag hautnah miterleben, als wir vom Hafen aus in einer 5-stündigen Fahrt in die Bucht 'Ymerbukta' gefahren sind. Am Ende dieser Bucht liegt der imposante 'Esmarkbreen' Gletscher, den ich heute Morgen aus dem Bullauge meiner Koje erkennen konnte.

Charles fuhr uns mit dem Schlauchboot zur Gletscherfront, die direkt vor uns mehrere hundert Meter in die Höhe ragte. Immer wieder war ein lautes Knarren vom Gletscher zu hören, das wie ein Echo durch die ganze Bucht hallte, weil ein Eisberg abgebrochen ist. Es ist unglaublich, wie lebendig dieser Gletscher ist. Am eindrücklichsten fand ich jedoch die strahlend blauen Gletscherseen, die Charles mit seiner Drohne auf dem Gletscher entdeckt hat.

Die Welt hier ist extrem beeindruckend und ich kann gar nicht alle Eindrücke beschreiben. Mit jedem Tag wird mir bewusster, dass ich und unser Team Zeugen einer Welt sind, die es vielleicht schon in wenigen Jahren so nicht mehr geben wird. Ich hoffe, dass diese faszinierende Welt hier auch für künftige Generationen erhalten bleibt und ich bin gespannt, was mich in den kommenden Tagen und Wochen erwarten wird.

(Janine Wetter)

 

Swiss Arctic Project – Eine Reise in die Arktis 

Der Klimawandel und seine Folgen erforschen, das ist das Ziel des Swiss Arctic Project. Initiator ist der Fehraltorfer Filmemacher Charles Michel. Die Expedition hat das Ziel, in der Schweiz das Bewusstsein für die Folgen der globalen Erwärmung zu schärfen. Die jungen Teilnehmer, darunter die Fehraltorferin Janine Wetter, sollen dabei eine Art Brückenfunktion übernehmen. Sie veröffentlichen laufend Beiträge und sorgen so für eine möglichst grosse Verbreitung ihrer Erlebnisse aus der Arktis. Während der dreiwöchigen Expedition sind die Forscher auf dem Schiff MV Gottardo unterwegs.  

Um einen der fünf Expeditionsplätze zu erhalten, mussten sich die Jugendlichen bewerben. Kamen sie weiter, qualifizierten sie sich fürs Onlinevoting. Die Jugendlichen mussten sich online, aber auch offline exponieren und die Leute dazu bringen, für sie abzustimmen. Janine Wetter und die vier anderen Gewinner setzten sich schlussendlich gegen 400 Bewerber durch.

 

Autor: Marco
Huber