Über Revierkämpfe im Schwimmbecken

Der Lifestyle-Blog von Züriost behandelt Themen rund um Körper, Food und Stil. Heute: Von unanständigen Eisbrechern und schwimmenden Revierkämpfen.

von
Lea
Chiapolini
Uhr

Eine ganze Bahn nur für sich alleine – der Traum eines jeden Hobbyschwimmers. (Archivfoto: Christian Merz)

Joggen ist blöd. In dieser Hitze gleich doppelt. Velofahren bringt zwar ein wenig Zugluft, doch auch da liegen momentan nicht mehr als ein paar Kilometer drin, bevor man unter der erbarmungslosen Sonne entweder verdurstet oder verbrannt ist. Zum Glück habe ich im Winter mit Schwimmen begonnen. In der Badi Sport mit Abkühlung verbinden: Jackpot!

Dachte ich. Und viele andere auch. Denn dieser Tage sind die Schwimmbahnen in der Badi gerappelt voll. Eigentlich kein Problem. Aber genauso brachial wie einige Personen Auto fahren, so rücksichtslos geht es bei manchen Schwimmern zu und her. Die Grundregel ist in den meisten Badis und Hallenbädern sogar auf Tafeln ausgehängt: Immer schön gegen den Uhrzeigersinn im Kreis. Also innerhalb der Bahn auf der rechten Seite bis ans andere Ende des Beckens, dann die Seite für den Rückweg wechseln.

Sind jedoch die schmalen Bahnen, in denen höchstens zwei Personen sich gleichzeitig kreuzen können, besetzt, bricht das Chaos aus. Ich drehe meine Runden jeweils in der Badi Meierwiesen in Wetzikon. Dort ist für gewöhnlich eine solche schmale Bahn abgetrennt. Links und rechts davon zwei grössere Bereiche. Und in diesen herrscht Krieg.

Die Badi Meierwiesen in Wetzikon – Schauplatz für manchen Fight ums Revier. (Archivfoto: Seraina Boner)

Aber auch wenn alle Personen leicht unterschiedlich schnell schwimmen – irgendwann tritt der Fall ein, dass praktisch alle im Pool versammelten Personen auf gleicher Höhe schwimmen. Wie eine Konjunktion aller Planeten im Sonnensystem. Doch genau wie manche Astrologie-Angefressene in einer solchen Konstellation Unheil befürchten, geht dieser Fall auch in der Badi selten gut aus. Da werden über der Wasserfläche giftige Blicke herumgeschickt und unter Wasser mit den Gliedmassen noch kräftiger gestrampelt als sonst, weil man lieber anderen Badegästen blaue Flecken schenkt, als diese selbst mit nach Hause zu tragen.

Mir ist das echt zu blöd. Da vergeht die Lust am Schwimmen. Diese Eisbrecher, die sogar alte Omis in ihren Aquafit-Uniformen zur Seite drängen – das geht gar nicht. Andererseits sind es meist betagte Damen, die ihrerseits im Schneckentempo und dafür auf dem Rücken ihre Runden drehen und dabei natürlich nicht sehen, wohin und in wen sie sich pflügen. Noch besser sind die Möchtegern-Supersportler, die zwar schnell sind, die Bahnen aber völlig desorientiert diagonal durchqueren und dann einen halben Zusammenbruch erleiden, wenn sie sich völlig ausgepowert aus dem Wasser quälen.

Letzte Woche war es mir einmal mehr zu eng im Becken und ich stieg aus dem Wasser. Da sah ich, dass auf der anderen Seite der schmalen Bahnen ein Platz zum Schwimmen frei geworden war. In diesem Abschnitt hätten drei Schwimmer Platz – nur noch einer drehte gerade seine Bahnen. Ich stieg also wieder ein und begann meine Runden auf der anderen Seite. Wir schwammen gemütlich hin und her – jeder auf seiner Seite, ohne Rundschwumm, ohne Uhrzeigersinn. Irgendwann stieg ein weiterer Mann zu. Ich nahm an, er würde sich in der Mitte platzieren. Doch weit gefehlt. Er reihte sich hinter mir ein und als ich wenden wollte, prallte ich fast in ihn hinein. An diesem Tag schwamm ich weit mehr als meinen üblichen Kilometer. Es galt, ein Revier zu verteidigen. Erfolgreich.

Autor: Lea
Chiapolini