«Pêup!»

Im Blog Glattwegs berichten Redaktoren aus dem Glattal regelmässig aus ihrem Alltag. Heute: Eine Abrechnung mit der «Grande Nation».

von
Benjamin
Rothschild
Uhr

Die Fernsehserie «Die Simpsons» zeichnet ein realitätsnahes Frankreich-Bild. (Foto: zvg)

Ich mag die Simpsons. Ja, eigentlich hat keine Fernsehserie meinen Wertekompass derart geprägt, wie die Zeichentrickreihe über die chaotisch-spiessige Familie aus Springfield. Das gilt auch in Bezug auf mein Frankreich-Bild.

Es gibt da eine Folge, in der sich Familienoberhaupt Homer in den Fängen eines grössenwahnsinnigen Superbösewichts wiederfindet, der über ein Atomwaffenarsenal verfügt. Dieser stellt Homer die Frage: «Welches Land mögen Sie weniger, Frankreich oder Italien?» Homer: «Frankreich!» Der Bösewicht: «Ha, niemand sagt Italien!» – dann richtet er seine Vernichtungswaffen Richtung Eiffelturm.

Zugegeben, der Witz ist derb, aber ich kann die Motive des Gag-Schreibers durchaus nachvollziehen. Vor allem jetzt, wo die Diskussionen über Lieblingsferiendestinationen wieder aufkeimen und die überschwängliche Frankreich-Begeisterung meiner frankophilen Kollegen ungute Urlaubserinnerungen wecken: An schnippische Kellnerinnen, die barsch ins Englische wechseln, weil meine Bestellung in Schulfranzösisch nicht gänzlich akzentfrei daherkommt; an die bei kleinsten Regelverstössen sofort hupenden Franzmänner in ihren Peugeots oder Citroëns, bei welchen sogar das Hup-Geräusch wie ein schriller, vorwurfsvoller Ausruf in der Landessprache klingt: «Pêup!»

Nein, ich verstehe sie nicht, die Frankreich-Versteher, die die selbsternannte «Grande Nation» den anderen, warmherzigeren Mittelmeeranrainerstaaten vorziehen und die die Sprache der nasalen Zurückweisungen lieber mögen als andere romanische Sprachen.

Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass diese Zeilen in einer Zeitung publiziert werden, die unter anderem in der Heimatstadt des Lycée Français erscheint – und dass ich nun einen Punkt machen muss, weil schon bald mein Zug nach Paris fährt, eine der schönsten Städten der Welt – Franzosen hin oder her. Au revoir!

Autor: Benjamin
Rothschild