Qualen am Berg

Geplant waren zwei erholsame Tage in den Bergen. Doch über Tausend todesmutige Mountainbiker vermiesten uns beinahe die Bergidylle.

von
Laurin
Eicher
Uhr
Gigathlon 2018: Sonntag -  Impression Bike

Ein Fahrer am Gigathlon 2018. (Bild: swiss-image.ch/Remy Steinegger)

Remy Steinegger

Neulich fuhr ich mit der Familie in unser Ferienhaus in den Bergen. Eigentlich ein Ort der Erholung und Entschleunigung. Doch der nervenaufreibende, steile Aufstieg auf einer schmalen Kiesstrasse liess erahnen, dass das Ziel des Ausflugs buchstäblich in Gefahr sein könnte.

Plötzlich kamen uns todesmutige Mountainbiker entgegengerast, oder besser gesagt entgegengestaubt, einige bremsten nur wenige Meter vor der Stossstange unseres Autos ab. Im Dorf angekommen – gottlob ohne Gümmeler in schnittigem Tenue auf der Motorhaube - eröffnete sich uns, dass die Fahrer Teil des «Gigathlon» waren, eines der grössten mehrtägigen Schweizer Ausdauerrennen.

Weit über tausend Sportler mühten sich zu Fuss über 19 Kilometer und 900 Höhenmeter, gefolgt von 1.5 Kilometer Schwimmen und 118 Kilometer auf dem Rennvelo ab. Die abschliessende Abfahrt mit 30 Kilometern Distanz und 1300 Höhenmetern führte die Teilnehmer durch das altehrwürdige Walserdorf, wo ein gemächlich fahrender «Aebi»-Heutransporter gerade so als in die Dorfkultur integriert gilt.

Die Frage nach dem «wieso tut man sich das an» beschäftigte uns und sorgte für Diskussionen. Dies umso mehr als ein Streckenposten verriet, dass an diesem Samstagnachmittag zwei Mal die Rega aufgeboten wurde. Ist es die Freude an der sportlichen Betätigung, oder sind es doch masochistische Individuen? Beim Eindunkeln musterten wir von der Terrasse eines Berggasthauses aus, wie die letzten, abgekämpften Teilnehmer vorbeizogen.

Ein stämmiger Fahrer bremste überraschend ab und schleuderte sein Rad gefolgt von «jetzt chönder mer all am Arsch läcke» hin. Er holte in der Wirtschaft ein grosses Rivella und amüsierte das Publikum auf der Terrasse mit Witzen. Der Streckenposten, der sich bei dem Fahrer zuvor nach seinem medizinischen Zustand erkundigte, erhielt keine Antwort und berief sich wohl auf das frivole Gebaren des Baslers.

Autor: Laurin
Eicher