Achtbeiniger Waffenbruder – vom Respekt vor Bananenregalen

Weshalb man sogar in Dübendorfer Lebensmittelläden einen grossen Bogen um Bananen machen sollte.

von
Benjamin
Rothschild
Uhr

In Angriffsstellung: Die Spinne der Gattung Phoneutria Nigriventer, hierzulande besser bekannt als Bananenspinne. (Foto: zvg)

Ich bin nicht unbedingt ein Viecher-Freund. Damit meine ich nicht Katzen, Alpakas oder Echsen – mit diesen Spezies verstehe ich mich in der Regel blendend. Nein, die Rede ist natürlich von Insekten, insbesondere Spinnengetier. Ein Psychiater würde mir wohl eine mittelschwere Arachnophobie (pathologische Spinnenangst) bescheinigen.

Vor diesem Hintergrund war mein zweieinhalbwöchiger Brasilien-Trip eine echte Nervenprobe: Ich hatte mich vor meiner Abreise akribisch eingelesen, insbesondere über die Phoneutria Nigriventer (hierzulande bekannt als Bananenspinne); dass bei einem Biss innerhalb von zwölf bis 17 Stunden der Tod durch Atemlähmung eintritt; dass sich das haarige, sprungkräftige Spinnenviech bevorzugt in feucht-dunklen Gefilden (auch in Hotelzimmern!) aufhält; dass diese hochtoxische Tötungsmaschine von den Brasilianern «Aranha Armadeira» («bewaffnete Spinne») genannt wird; und dass der achtbeinige Waffenbruder in der brasilianischen Kleinstadt Campinas besonders verbreitet ist.

Vor Ort machte ich dann einen grossen Bogen um jeden Bananenstrauch, inspizierte das Hotelzimmer pedantisch, liess, wenn überall möglich, meiner Freundin den Vortritt (Motto: «jeder schaut für sich»), klopfte meine Schuhe jeweils rund zweieinhalb Minuten aus. Und immer wenn mir im Rahmen meiner zahlreichen Inlandflüge auf einer Tafel der Ort «Campinas» entgegenleuchtete, begannen sämtliche Alarmglocken zu läuten.

Der Phoneutria Nigriventer begegnet bin ich dann natürlich nicht. Doch das Trauma, hervorgerufen durch allzu starke Befassung mit der Killer-Spinne, ist noch da: Als ich jüngst in einem Dübendorfer Laden am Bananenregal vorbeilief, überkam mich ein Schauderfrost, der erst nach Verlassen des Ladens wieder nachliess.

Autor: Benjamin
Rothschild